Ende Dezember 1924 wurde von der Regierung das Verbot für karnevalistische Veranstaltungen aufgehoben. So konnte sich der Karneval, dem auch die Hauptfigur "Perkeo" nicht fehlte, in Sitzungen und Maskenbällen entfalten und der aufgestaute Hunger der Heidelberger nach Frohsinn und Lebensfreude sorgte im Verein mit der wirtschaftlichen Hochkonjunktur der Jahre 1925 bis 1928 dafür, dass er bald seinen alten Glanz zurück gewann.

Faschingsprogramm von 1925Zu Beginn des neuen Abschnitts fand sich die Perkeo-Gesellschaft im Jahre 1925 wiederum in der Weinstube Dorner als erste Karnevalsgesellschaft wieder zusammen. Valentin Dorner wurde wieder einige Jahre erster Vorsitzender, während Zahnarzt Dr. Dietrich nach wie vor den Veranstaltungen der Perkeo-Gesellschaft seine Note gab.

In ihren Sitzungen und Maskenbällen musste sich die Gesellschaft alsbald mit den lustigen Sendungen des Rundfunks, vor allem aber mit der Revue auseinandersetzen, die in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg durch Prunk, technische Beleuchtungseffekte und Tempo eine neue bevorzugte Erscheinung des Theaters war. Die Perkeo-Gesellschaft war gezwungen, von der Revue Schmiss und Tempo, Aufmachung und Technik zu übernehmen. So nimmt es nicht wunder, dass fast alle Masken- und Kostümbälle unter einem bestimmten Motto standen, und auch danach ausgestattet wurden.
Die so genannten "Eisbrecher-Abende" in der Weinstube Dorner, oder die Sitzungen "Ein Abend im Wilden Westen" im Pfälzer waren immer ausverkauft. Die Sitzung "Heidelberger Allerlei" im Konzerthaus Rodensteiner musste mehrmals wiederholt werden. Die großen Damenfremdensitzungen wurden im "Prinz Max" abgehalten.
Der Höhepunkt des Jahres 1926 bildete für die Perkeo-Gesellschaft zweifellos am Fasnachtsdienstag der in sämtlichen Räumen der Stadthalle stattgefundene große Maskenball. Mit einer feenhaften Saal-Dekoration ausgestattet, stand er unter dem Motto "Ein Seenachtsfest in Locarno". Das Jahr 1927 stand mehr im Motto der "Italienischen Nächte". Großen Erfolg hatte die Perkeo-Gesellschaft mit ihren Nachthaubensitzungen in der Harmonie und mit den verschiedenen Tiergartensitzungen und nicht zuletzt mit dem Ball "Eine Nacht in Venedig" in der Stadthalle.
Der Straßen Karneval blieb bis zum Jahre 1928 auch weiterhin verboten, aber bereits 1927 wurde am Fasnachtsdienstag eine bunte Kappenfahrt von den Karnevalsgesellschaften durchgeführt.
Mit dem Jahre 1928 fielen die letzten Hemmungen und der Fasnachtsumzug lief mit großem Erfolg durch die Anlage mit dem Motto: "Das Brandenburger Tor am Wredeplatz". In einem Lied aus dem Jahr 1928 von Zahnarzt Dr. Dietrich heißt es: "O Wredeplatz, O Wredeplatz" (siehe Bild).

Offensichtlich sorgte die Gestaltung des heutigen Friedrich-Ebert Platzes für heftige Diskussionen in der Heidelberger Bevölkerung. Der Elferrat unter der Führung von Dr. Dietrich ließ es sich auch nicht nehmen, für ein Gruppenfoto zu posieren.

Die sibirische Kälte, die ganz Europa im darauf folgenden Jahre erfasste, ließ den geplanten Fasnachtsumzug fast vollständig einfrieren. Den Musikkapellen war es nicht möglich, auch nur einen Ton ihren Instrumenten zu entlocken. Dennoch hatte Heidelberg seinen Fasnachtsumtrieb, der sich allerdings nicht auf den Straßen, sondern auf dem bis zum Grund zugefrorenen Neckar abspielte.

Foto vom Fastnachtszug auf dem zugefrohrenen NeckarDie Elferräte der drei bestehenden Karnevalsgesellschaften fuhren mit ihren Wagen auf dem Neckar herum, damit sie aber nicht ganz erfroren, setzten sie sich auf heiße Bettflaschen.
Die mit dem Jahre 1929 einsetzende Wirtschaftskrise führte auch für den Karneval eine schwere Notzeit herauf und die Perkeo-Gesellschaft legte eine Pause ein.

 

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