Montag, 16 Januar 2006 09:00

Und Intendant Spuhler machte den Erzähler

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"Verzweifelte Hausfrauen" ließen Theaterchef zum Mitakteur werden

Die vor Elan strotzenden Aktiven der Perkeo-Gesellschaft haben zum Auftakt des Jubiläumsjahres auf den Brettern der Stadtischen Bühne funkelnde Sterne in den Fastnachtshimmel abgefeuert. Was vor 99 Jahren begann, ein Techtelmechtel der Karnevalisten mit den Musenkindern, wuchs sich beim traditionellen Theater-Abend Perkeos vor vollem Haus zu einem Glanzlicht aus. Ein Glanzlicht, das sogar den neuen Intendanten Peter Spuhler und den jungen Generalmusikdirektor Cornelius Meister sichtlich entzückte.

Wann hat es das schon mal gegeben? Nach einem wahrlich schmetternden Auftakt mit der "Jubiläumsfanfare" des Perkeo Fanfarenzuges unter Klaus Janeck steht der Intendant persönlich mit der Ehrensenator-Kappe der Narrenzunft auf der Bühne, um als Hausherr und närrischer Würdenträger die Gästeschar zu begrüßen und dann auch den Part des Erzählers für die trubulente Komödie der Perkeo-Truppe zu übernehmen. Peter Spuhler zeigt sich begeistert von den musikalischen Qualitäten der schwarzgelben Landsknechte, die ihm schon zum Amtsantritt den Marsch beglasen haben, und bittet um Beifall für 99 Jahre der Pflege von Brauchtum und Narretei.

Und dann gibt´s kein Halten mehr: Bevor das Ensemble der Bühne mit der neu aufgenommenen Romberg-Operette "Der Studentenprinz" aufwartet, läßt die Theatertruppe um "Perkeo" Thomas Barth ein heiter-turbulentes Stück vom Stapel, das mit waschechtem Heidelbergerisch aufwartet und just dort beginnt, wo die Anfänge der Perkeo-Gesellschaft liegen. Man schreibt den 11.11.1906, als sich in der damaligen Weinstube Dorner an der Römerstraße eine Handvoll Bürgersleute um den Zahnarzt Dr. Dietrich trifft, um die "Große Carneval-Gesellschaft Perkeo Heidelberg" aus der Taufe zu heben. Doch sie haben nicht die Rechnung mit ihren Frauen gemacht, die aus unterschiedlichen Gründen verzweifelt sind und sich zur gleichen Zeit, ebenfalls in der Weinstube Dorner, zu einer Frauenrunde versammeln. Daraus entwickelt nun der Haus- und Hofpoet Thomas Barth eine Fülle von heiter-beschwingten bis turbulenten Szenen, in denen Ulk und Narretei fröhliche Urständ feiern. Wer hören will, wie den Heidelbergern der Schnabel gewachsen ist, der ist hier goldrichtig, und er bekommt auch kommunalpolitisch etwas zum Lachen, wenn der Autor, wie immer ohne die geringste Beißhemmung, lockere Sprüche in die Runde wirft.

Schade nur, dass "Die verzweifelten Hausfrauen" eine Eintagsfliege bleiben werden, denn eine zweite Aufführung soll´s wohl nicht geben. Dann hätten noch mehr Freunde der Fastnacht Gelegenheit, auch einen waschechten Generalmusikdirektor mit Ehrensenatorenmütze als Mitakteur am Klavier zu erleben. Cornelius Meister und allen Darstellern war jedenfalls begeisterter Beifall sicher, vor allem Thomas Barht, Karin Steinbrenner, Barbara Dyroff Siegmund, Willi Kießer, Brigitte Horn, Joachim Bahr, Monika Münch, Ingie Arends, Winfrid Mikus (Leihgabe vom Theater), Wolfgang Horn und Michael Siegmund. Am Schluss: "Großer Bahnhof" und ein riesiges Dankeschön an alle Mitarbeiter des Musentempels für ihren Einsatz ganz außerhalb der Reihe. Stunden später sind es dann die Mitwirkenden des "Studentenprinz", die vom Beifall umrauscht mit Perkeo-Orden dekoriert werden.

 

Letzte Änderung am Sonntag, 06 März 2016 14:30
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