Montag, 08 Februar 2016 09:00

Messerscharfe Dialoge mit viel Witz

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Thomas Seiler - RNZ Thomas Seiler - RNZ Rhein-Neckar-Zeitung

Barth und Pichler spielen sich grandios die Bälle zu 

Es ist eine klamaukige Komödie, die der populäre Dramatiker Neil Simon 1972 für den Broadway schrieb – und doch besitzt „Sonny Boys“ auch viel Tiefgang. Die Zuschauerwaren also ziemlich gespannt,wie das Perkeo-Volkstheater den Stoff auf die Bühne bringen würde. Denn zum ersten Mal wurde da ein Stück gespielt, das nicht „Perkeo“ Thomas Barth selbst geschrieben hatte.

So viel sei gesagt: Sie wurden nicht enttäuscht. Denn Barth als heruntergekommener Willy Clark und Perkeo-Ehrensenator Peter Pichler als störrischer Al Lewis lieferten sich messerscharfe Dialoge mit viel Witz. Dennoch: Üblicherweise schreibt Thomas Barth seine Fastnachtsstücke selbst – und kann sich dann wesentlich besser entfalten, wie vergangenes Jahr beim grandiosen Mehrakter „Frauentausch im Paradies“. In seinen eigenen Stücken kann „Perkeo“ Erlebtes karikieren und seinen ganz eigenen Humor auf die Bühne bringen. Dass ihm das eher liegt, sieht übrigens auch Barth selbst so: „In meinen eigenen Stü- cken kann ich mich richtig austoben“, meinte er gegenüber der RNZ. Bei den „Sonny Boys“ war das auch von Regisseur Jörg Fallheier vorgegebene Korsett wesentlich enger als sonst. Doch Barth und Pichler sind zum Glück großartige Schauspieler – und spielten sich immer wieder grandios die Bälle zu.

Aufgeschreckt durch das Pfeifen des Teekessels nahm Clark gleich zu Beginn Oberbürgermeister Eckart Würzner ausgiebig ins Visier. Danach zoffte er sich mit seiner Nichte und Agentin Samanta Silverman (Birgit Nitsche) und ließ sich von ihr überzeugen, in einer Fernsehproduktion nochmals den Doktorsketch zu spielen – ausgerechnet mit dem verhassten Kompagnon Lewis.

Die Dramatik nimmt im zweiten Akt zu, als das heillos zerstrittene Komikerpaar aufeinander trifft und Clark bei der „Probe für eine Probe“ Änderungen im Text des Sketchs vornehmen will. Lewis akzeptiert das nicht – und alles läuft auf eine Katastrophe zu. Im dritten Akt laufen die Filmaufnahmen doch an und treiben die Aufnahmeleiterin (Ute Bujard) und den Regisseur (Christian Bauer) fast in den Wahnsinn, auch wenn der Patient (Willi Kiesser) und die erotische „Miss Paradise“ ihre Bestes geben. Clark hält dem Druck nicht mehr stand – und kollabiert. Im vierten Akt wacht er im Hotelzimmer auf, gepflegt von der „staatlich geprüften Krankenschwester O’Neil“ (Brigitte Horn). Das Happy End schließ- lich: Die beiden versöhnen sich – obwohl Al Lewis weder Johannes Heesters noch den „Sumo“ Karl A. Lamers kennt. Am Ende massiert Al seinem Partner Willie die Füße, wobei dieser sanft einschläft.

Info: Heute letzte Vorstellung um 19.30 Uhr im städtischen Theater.

Letzte Änderung am Sonntag, 06 März 2016 16:21

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