1930

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wird es auch für die Fastnacht immer schwerer Kritik an öffentlichen Zuständen zu äußern. 1935 mussten sich die Karnevalsgesellschaften "Fröhliche Pfälzer" und die "KG Neuenheim" in der Perkeo-Gesllschaft auflösen. Die Fastnacht wurde "gleich" geschaltet!

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Das Motto der Saison 1930 lautete: „´s letscht Johr Bruch, des Johr Dalles, ´s negscht Johr – Perkeo über alles!“ Dafür dienten die Jahre aber der notwendigen inneren Einkehr und erwiesen sich in der Folge als durchaus fruchtbar. In dieser Zeit übernahm Direktor Georg Kocher den Vorsitz der Perkeo-Gesellschaft, Hans Zolk wurde zweiter Vorsitzender, Walter Baas Schatzmeister und Schriftführer Arthur Knapp Sitzungspräsident blieb auch zu dieser Zeit Zahnarzt Dr. Dietrich.

1931 und 1932 wieder eine Fastnachtspause. Die hatte sich aber als schöpferisch erwiesen und man setzte auf die kommenden Jahre. Doch dann machte der so genannte Umbruch vom 30. Januar 1933 einen Knick in die aufsteigende Linie. Das Jahr selbst ging am Karneval nicht spurlos vorüber. Politisch wurde die Glossierung der Führer in Staat und Gemeinde und damit jegliche Kritik an den öffentlichen Zuständen verboten, die Gleichschaltung der Reden mit der von der Regierung jeweils verfolgten Politik jedoch als erwünscht bezeichnet. Die Perkeo-Gesellschaft beschränkte sich in dieser Zeit um nur noch mit einigen Maskenbällen und mit der Pfälzer Kerwe an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Jahre 1935 lösten sich die "Fröhlichen Pfälzer"und die Karnevalsgesellschaft Heidelberg Neuenheim in der Perkeo-Gesellschaft auf. Ein Stück Heidelberger Karnevalsgeschichte ging damit zu Ende.

Von den Fröhlichen Pfälzern kam Karl Klebes im selben Jahr zur Perkeo-Gesellschaft. Hier löste er Dr. Dietrich als Sitzungspräsident ab und übernahm auch die Rolle des Schutzpatrons "Perkeo". In den folgenden Jahren wurde "Perkeo" Karl Klebes immer mehr zur beherrschenden Figur in der Heidelberger Fastnacht und die Perkeo-Gesellschaft trat immer mehr aus ihrer Stagnation heraus. Zu den Maskenbällen kamen wieder Prunksitzungen. Als am 16. Januar 1937 in München der "Bund Deutscher Karneval BDK" und im selben Jahr in Speyer die "Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine" gegründet wurden, gab es auch für die Perkeo-Gesellschaft einen erneuten Aufschwung.

Am 9. Januar 1938 fand die Fastnachtseröffnung im Keller des Heidelberger Schlosses statt. Als erster trat Karl Fürstenberg als Till mit gereimten Versen in das Rampenlicht. Seine närrische Beschwörung der Lebensfreude endete in der Beschwörung dessen, der die Kunst, das Leben zu genießen, meisterlich verstand: "Perkeo". Unter elf Donnerschlägen erschien Perkeo und übernahm aus der Hand des Verkehrsministers Meinecke den Stadtschlüssel. Aus den Reihen des mit schwarz-gelben Kostümen ausgestatteten Elferrates stiegen noch einige närrische Büttenreden, aus denen die des närrischen Sekretarius Karl Dietrich wohl den größten Erfolg hatte. Eine Polonaise, angeführt vom Elferrat, beendete die für damalige Zeit einmalige Eröffnung der Heidelberger Fastnacht. Durch diesen festlichen Akt wurde die Fasnacht mit der Person "Perkeo" für die Festtage in den Mittelpunkt der Stadt gestellt und auch die offiziellen Kreise in das närrische Tun und Treiben mit einbezogen, wobei der Gesellschaft die von der Stadt verfolgte Fremdenverkehrspolitik zustattenkam. In diesem Jahr wurden neben den Maskenbällen und der Pfälzer Kerwe auch eine große Prunk- und Fremdensitzung in der Stadthalle abgehalten. Am 1. März 1938 hatte auch Heidelberg wieder seinen Fastnachtszug, der für die damalige Zeit wieder recht groß und ansehnlich mit seinen vielen bunten Gruppen und Wagen war.

Zigtausende säumten die Straßen, selbst aus den umliegenden Ortschaften kamen die Besucher in die Stadt, um den Zug zu sehen. In kluger und energischer Ausnutzung der in die Hand gegebenen Möglichkeiten gelang es so der Gesellschaft, aus der Fastnacht wieder ein großes Volksfest zu machen. In dieser Zeit wurde auch eine Verbindung mit den Karnevalsfreunden in Krefeld hergestellt. Im Jahre 1939 trat eine Heidelberger Abordnung unter der Führung des Perkeos in Krefeld bei einer Prunksitzung und einem Umzug auf. Anschließend fuhren Perkeo Klebes, Karl-Hans Münnich und Karl Dietrich nach London, um einer Einladung der deutschen Kolonie nachzukommen. Im Anschluss daran sollte der Fasnachtszug in Heidelberg durch die Straßen ziehen, doch die Behörden versagten die versprochene Unterstützung. Die „Roten Radler“ von Neuenheim improvisierten daraufhin und zogen mit drei Wagen durch die Hauptstraße mit dem Plakat: "Perkeos Umzug muß wegen Londoner Nebel ausfallen". Sie hatten die Lacher auf ihrer Seite.

Trotz der schönen Erfolge der letzten Jahre sahen die verantwortlichen Männer, die sich bewusst waren, dass die Heidelberger Bürgerschaft in der Fastnacht immer noch ein gewisses Ventil gegenüber dem Druck und der Abhängigkeit der Behörden sahen, zum Teil besorgt in die Zukunft. Der im September ausbrechende Krieg machte diesen Sorgen und auch der Heidelberger Fastnacht selbst ein Ende.

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