1949

Beim 1. Umzug nach dem Krieg waren tausende Heidelberger auf den Straßen.

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Wie unsere Gesellschaft nach 1945 wieder angefangen hat konnte durch alte Zeitungsausschnitte, aus dem Nachlass vom Oskar Rauscher und mit Hilfe der drei bestehenden Jubiläumsschriften fast lückenlose aufgezeichnet werden. Am 6. Januar 1949, vier Jahre nach Kriegsende, wurde im Hotel „Kurpfalz" unter Führung von Stadtrat Ludwig Steinbrenner, der schon von 1929-1938 1. Vorsitzender war und Präsident Karl Klebes, die „Große Perkeo Karnevalsgesellschaft'' gegründet.

Heidelbergs traditionsreiche Karnevalsgesellschaft war wieder entstanden und gleichzeitig die einzige der alten großen Gesellschaften, die den schrecklichen Krieg überdauert hat. Die erste Veranstaltung nach über 11 Jahren Pause wurde im Februar 1949 im Odeon-Keller abgehalten. Im vollbesetzten Saal marschierte der Elferrat ein, an der Spitze der unvergessener Karl Klebes. Oskar Rauscher und Ludwig Krahforst standen in der Bütt', Jos. Streibich von der Brauerei Ziegler dirigierte sein selbst verfasstes Schunkellied „Auf zum Schunkeln“. Oskar Rauscher hatte sich eine besondere Überraschung ausgedacht, er schrieb das Lied: „Man braucht ja so wenig um glücklich zu sein ..." Ein Lied das bestimmt die Mentalität der Menschen der damaligen Zeit wiedergibt, es wurde ein „Fastnachtevergreen“! Diese erste Sitzung war so erfolgreich, daß sie noch einmal im Odeon-Keller wiederholt werden musste.

Diese Sitzung wird vom Redakteur der Rhein-Neckar-Zeitung Walter Winterer, auf einer halben Seite beschrieben. Karl Klebes bedauerte es bei seiner Begrüßung, dass es in ganz Heidelberg keinen Saal für alle „Narren“ gäbe, da die Amerikaner die Stadthalle bzw. alle großen Säle für ihre Narren belegt hätten. In diesem Augenblick betraten zwei MP’s den Odeon-Keller und unter schallendem Gelächter meinte Klebes: „Wie bestellt sin se’ schun do!“ die „Amis" aber verstanden den Spaß und verließen lachend den Saal.

Am Fastnachtsdienstag, den 1. März 1949, hatte Heidelberg wieder einen Fastnachtsumzug. Die RNZ schrieb am 2.3.1949: „Der Himmel hatte mittags gestürmt und die Erde mit „Scheibenkleister" beworfen. Als aber in der dritten Nachmittagsstunde am Fastnachtsdienstag der hohe Elferrat seine Umfahrt machte war der Himmel blau wie Klebes und wie ein Veilchen.“ Tausende von Menschen zogen maskiert oder unmaskiert durch die Hauptstraße. Fanfarenbläser in altdeutschen Jägerkostümen bliesen vom Rathausbalkon als die 10 Reiter, drei Wagen der Perkeo-Gesellschaft und der Wagen des Stadttheaters auf dem Marktplatz ankamen. Motto des Umzuges 1949: „11 Narren machen eine Stadt verrückt.“

Der damalige Oberbürgermeister Swart nahm den Schlüssel der Stadt zurück mit den Worten: „Wir haben gesehen, die Fastnacht lebt wieder auf und von nun ab wird jedes Jahr der Elferrat zur Fastnacht ein frohes Wörtchen mitzusprechen haben“.

Am 16. September 1949 gedachte die Perkeo-Gesellschaft Karl-Gottfried Nadler mit einem Pfälzer Abend im Hotel „Zum Goldenen Falken“. Pfälzer Mundartgedichte, wie der Brand vom Hutzelwald“ wurden dem begeisternden Publikum vorgetragen. Der Höhepunkt des Abends war die Begegnung von Nadler gespielt von Oskar Rauscher und Perkeo Karl Klebes. Sie kritisierten die „Zustände" in ihrer „Fröhlichen Pfalz“ — „Gott erhalt’s"! Das erste Jahr des „Wiederanfanges" war geschafft, die Aktiven der Gesellschaft hatten versucht den Menschen etwas Freude und Humor in ihren Alltag zu bringen und es ist ihnen geglückt.

Maßgeblich am „Wiederaufbau“ beteiligt waren Ludwig Steinbrenner, der bis 1952 das Amt des 1. Vorsitzenden ausübte. Elferratspräsidenten Karl Klebes, Ludwig Klein, Oskar Rauscher, Kaspar Schweikart, Karl Dietrich, Albert Hagmeier und August Dietsch. Ihnen gilt unser Dank!

Perkeo Thomas Barth

Präsident der Perkeo-Gesellschaft Heidelberg 1907 e.V.

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